Bhagavad-Gita Einführung (2): Die Natur der Seele

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In unserer ersten Folge zu Bhagavad-Gita Einführung haben wir gesehen, dass es unser Ego ist, das uns in eine Welt voller Konfusion und Konflikte führt.

Was ist dieses kleine Ego eigentlich? Woher kommt es? Und wie kann man sich durch Yoga auf eine Ebene jenseits des kleinen Egos erheben?

Die Bhagavad-Gita beantwortet diese Frage so:

„Das Ego existiert, weil wir eine zeitweilige und irrelevante (oder zumindest wenig bedeutsame) Situation als das Ein und Alles akzeptieren.“

Wir wachsen auf und lernen, uns ein bestimmtes Bild von uns selbst zu machen. Ich bin ein erfolgreicher Mann, eine intelligente Frau, ich bin Deutsche, Amerikanerin, Spanierin, Chinesin, habe einen Doktortitel, bin ehrenwertes Mitglied des Bielefelder Turnvereins, habe eine sportliche, attraktive Figur, ich habe eine krumme Nase, ich bin zu dick… Ich und mein…

Realität der Seele

Unwirkliches hat keine permanente Existenz. Das Wirkliche existiert für immer ohne Wechsel. Zu diesem Schluss sind die Weisen gekommen, nachdem sie das Wesen von beiden studiert hatten. Bhagavad-Gita 2.16

Wisse, das was den gesamten Körper durchdringt, ist unzerstörbar. Niemand ist imstande, die unvergängliche Seele zu zerstören. Bhagavad-Gita 2.17

Obwohl der materielle Körper hier als unwirklich beschrieben wird, ist er auch irgendwie eine Art von Realität, mit der wir umgehen müssen. Aber in jedem Fall ist sein endgültiges Schicksal bereits besiegelt. Nach einiger Zeit wird er aufhören zu existieren. Wie alle materiellen Dinge hat er einen Anfang und ein Ende. Zu starke Identifikation mit ihm bringt uns einen Haufen Konflikte und Konfusion.

Aber jenseits davon liegt eine andere Realität, die von anderer Natur ist. Mit dieser Realität möchte dich die Gita bekanntmachen. Gemäß der Gita ist die Seele unvergänglich.

Was ist die Bedeutung von etwas, das ohne Dauer ist, im Vergleich zu etwas, das für immer und ewig mit dir ist?

Identität der Seele

Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anlegt, so gibt die Seele alt und unbrauchbar gewordene Körper auf und nimmt neue an. Bhagavad-Gita 2.22

Laut der Gita ist es unsere Identität, die Seele sein, die den Körper mit Bewusstsein durchdringt. Der Körper selbst ist nur ein Kleidungsstück, das man nach einiger Zeit wechselt, wenn es alt und unbrauchbar geworden ist.

Es wäre sicher falsch, den Körper zu vernachlässigen. Du brauchst ihn ja, auch wenn er dich nur kurze Zeit begleitet. Aber wir sollten unter keinen Umständen die Person ignorieren, die in dem Körper steckt.

Diese Person ist nicht dick oder dünn, intelligent oder dumm, Amerikanerin, Französin, Deutsche oder Philippinin.

Es heißt, dass die Seele unsichtbar, unbegreiflich, unveränderlich und unwandelbar ist. Da du dies weißt, solltest du um den Körper nicht trauern. Bhagavad-Gita 2.25

Einige betrachten die Seele als wunderbar; einige beschreiben sie als wunderbar, und einige hören, sie sei wunderbar, wohingegen andere, selbst nachdem sie von ihr gehört haben, sie überhaupt nicht verstehen können. Bhagavad-Gita 2.29

Du bist… wunderbar, unwandelbar und unsichtbar. Dies ist, was wir gleich zu Beginn der Bhagavad-Gita über die Seele lernen. In späteren Kapiteln wird dieses Wissen vervollständigt werden. Aber bis wir diese Lehren auch tatsächlich anwenden, bleibt die Seele bis zu einem gewissen Grad unbegreiflich.

 

Was ist der Beweis für die Existenz der Seele?

Der Beweis ist deine persönliche Erfahrung, wenn du die Lehren der Gita in deinem Leben anwendest. Oder irgendeinen anderen authentischen Vorgang zur Selbstverwirklichung. In der Gita besteht der Vorgang aus den verschiedenen Formen von Yoga. In anderen Traditionen gibt es ähnliche Methoden, die aber unter anderem Namen bekannt sind.

Für jemanden allerdings, der keinen authentischen Vorgang zur Selbstverwirklichung beschreitet, mag es schwierig sein tief genug einzutauchen, um zur Essenz seines oder ihres Daseins vorzudringen.

Zu Beginn des 2. Kapitels der Bhagavad-Gita gibt es einen Vers, der zum Nachdenken anregt:

So wie die verkörperte Seele in diesem Körper fortgesetzt von Kindheit zu Jugend und zu Alter wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise in einen anderen Körper ein. Ein solcher Wechsel kann die selbstverwirklichte Seele nicht verwirren. Bhagavad-Gita 2.13

Der Körperwechsel während dieses Lebens ist etwas, das du selbst nachvollziehen kannst, es ist keine Frage des Glaubens. Wo ist der Körper des kleinen Kindes, den du einmal hattest, nun? Aber du selbst bist noch da, und du kannst dich erinnern, dass du diesen Körper einst besessen hast. Dies bedeutet, dass deine Existenz als Seele nicht an diesen oder jenen Körper gebunden ist.

Normalerweise kannst du dich an deine Körper aus vergangenen Leben nicht erinnern. Dazu müsstest du in Selbstverwirklichung weit fortgeschritten sein, wie die Gita sagt.

Tod ist für den Körper natürlich, aber für die Seele unnatürlich. Der Mensch hat Angst vor dem Tod, weil der Gedanke an Nicht-Existenz für ihn intuitiv mit seiner Natur unvereinbar ist.

 

Die Ebene jenseits des Egos

Selbstverwirklichung bedeutet laut der Bhagavad-Gita, die Ebene der reinen Seele zu ergründen. Und die Gita will uns zeigen, wie wir handeln, denken und fühlen sollten, um uns auf dieser Ebene fest zu verankern.

Aber zunächst sollten wir wissen, was uns eigentlich so fest an die Ebene der Identifikation mit dem materiellen Körper und dem falschen Ego bindet. Wir können die höhere Ebene nicht erlangen, ohne uns von der niederen Ebene zu lösen.

Deshalb handelt die nächste Folge unserer Bhagavad-Gita-Serie von:

Die Fessel des Karma (oder des Gesetzes von Aktion und Reaktion)

Du magst bereits von Karma gehört haben, aber es ist das Verständnis der subtileren Aspekte des Karma, das uns zu einem gewaltigen Bewusstseinswandel führen kann.

Also, dann bis bald, in der nächsten Folge unserer Serie „Bhagavad-Gita Einführung“. [coming soon!]

 

Namaste!

 

 

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